Dienstag, 16. Februar 2010

Das Böse unter der Sonne (1982)

Viele halten EVIL UNDER THE SUN (Das Böse unter der Sonne) für eine schwache Christie-Verfilmung. Das stimmt vielleicht, wenn man den Film rein aus der Krimi-Warte sieht. Der Mordfall und seine Aufklärung schleppen sich etwas belanglos dahin, und die Auflösung hängt an einer Information, die dem Zuschauer vorenthalten wurde.

ABER selten hat man so viele Stars sich liebevolle Gehässigkeiten an den Kopf werfen sehen wie hier, und das entschädigt für alles andere.

"Das Böse unter der Sonne" spielt fast gänzlich unter Mitarbeitern des Theater- und Musical-Business, und was sich da vor traumhafter Kulisse (Mallorca) an Intrigen, Bösartigkeiten, Neid und Gier abspielt, ist einfach exquisit. Die Dialoge sind von geschliffenem Witz, und die Schauspieler haben ihre helle Freude daran. Wie Maggie Smith der wunderbaren Diana Rigg bei deren Gesangsvortrag von "You're the Top" (der gesamte Score besteht aus Cole Porter-Songs) die Schau stiehlt, wie Sylvia Miles hinter Riggs Rücken über sie ablästert, um dann ganz schnell ein strahlendes Gesicht aufzusetzen, wie Hercule Poirot, gespielt vom unvergleichlichen Ustinov, hier wirklich als nervender Wichtigtuer gezeichnet wird, das hat alles sehr viel Stil und Klasse.

Bemerkenswert sind noch zwei andere Dinge:
1. In der (sehr guten) deutschen Synchronfassung spricht Ustinov selbst!
2. Die Kostüme von Anthony Powell gehören zu den bizarrsten und extravagantesten Kreationen aller Zeiten und sind für sich ein Schauwert des Films.

Das wahre "Böse" unter der Sonne mag nicht ein bis ins Detail geplanter Mord sein (der auf so dünnem Eis basiert, dass er niemals die Chance auf Erfolg haben dürfte), aber die Art, wie Menschen miteinander umgehen.
Das ist ganz im Sinne von Agatha Christie - und herrlich 'british'.

10/10

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