Montag, 15. Februar 2010

Das Biest muss sterben (1969)

Der Sohn des Kinderbuchautors Charles (Michel Duchaussoy) wird auf offener Straße überfahren und stirbt. Charles schwört Rache und findet bald das "Biest", den Schuldigen, den Mörder. Aber kann er seinen eigenen Mordplan ebenso kaltblütig in die Tat umsetzen?

Mit DAS BIEST MUSS STERBEN (Que La Bête Meure) hat Claude Chabrol 1969 eines seiner besten Werke geschaffen. Von der ersten Filmminute an wird der Zuschauer in ein düsteres, komplexes Psychodrama um Schuld und Sühne gezogen, das einen bis zur Schlusseinstellung nicht mehr loslässt. Dass es sich bei dem Täter (Jean Yanne, der "Schlachter" aus Chabrols gleichnamigem Film) um ein widerwärtiges Beispiel des Menschengeschlechts handelt, macht das Drama für das Publikum noch schwieriger, weil es sofort Charles' Mordgier teilt. Alle im Umkreis des Mörders wollen seinen Tod, so scheint es.

Ähnlich wie Hitchcock spielt Chabrol mit den Gefühlen des Zuschauers. Die einzige Identifikationsfigur ist Charles, den wir auch als Erzähler hören und dessen Unglück man auf menschlicher Ebene nachvollziehen kann. Aber wie weit möchte man ihm bei der Ausübung seiner Pläne folgen? Er spielt der Schwägerin des Mörders Liebe vor, um an ihn heranzukommen ("Nach meiner Erfahrung zahlen sich vorgetäuschte Gefühle im Leben am meisten aus", hören wir ihn sagen). Als er die zufällige Chance auf einen schnellen Mord hat, nutzt er sie nicht, weil er sein "Opfer" länger leiden sehen will. Und doch bleibt man auf seiner Seite. Wenn schlussendlich das Drama zur Tragödie griechischen Ausmaßes mutiert, ist man als Zuschauer völlig allein gelassen mit seinen Gefühlen.

Im Universum von DAS BIEST MUSS STERBEN gibt es weder Schwarz noch Weiß. Das macht ihn so herausragend und immer wieder aufs Neue faszinierend.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...