Dienstag, 16. Februar 2010

Das Apartment (1960)

Viele Regisseure glauben zu wissen, was eine Tragikomödie ausmacht, dabei ist sie vielleicht das mit Abstand schwierigste Genre überhaupt, denn die Kunst besteht in der zarten Balance und dem Miteinander beider Emotionen. Die meisten Filme scheitern genau daran und setzen die Komik neben die Tragik.

Im "Apartment" aber, in diesem Meisterwerk, das so ziemlich alle Preise abgeräumt hat, die abzuräumen waren, ist Billy Wilder die perfekte Mischung gelungen. Kaum ein anderer Film erzählt so charmant, überraschend, pointiert und intelligent seine zutiefst menschliche Geschichte, in der man bis zum Ende nicht weiß, ob gleich das Wunder der Liebe geschieht oder sich eine Tragödie anbahnt.
Die Story: der schüchterne Büroangestellte C.C. Baxter (Lemmon) hofft auf einen steilen Aufstieg in der Firma, in dem er den Abteilungsleitern sein Apartment für Schäferstündchen zur Verfügung stellt. Erst als er merkt, dass seine heimliche Liebe, Fahrstuhlführerin Fran Kubelik (MacLaine), zu den abgeschleppten Geliebten gehört und sich in seiner Wohnung versucht, das Leben zu nehmen , muss er seine Einstellung überdenken...

Es ist eine Geschichte von einfachen Menschen mit simplen Berufen, und obwohl Jack Lemmon und Shirley MacLaine Top-Stars sind, nimmt man ihnen jederzeit ab, genau diese Berufe auszuüben. Beide spielen uneitel und entspannt miteinander. Beide Charaktere sind Verlierer, und dennoch schließt man sie vom ersten Augenblick an ins Herz und lacht und leidet mit ihnen. Zudem verteilt Billy Wilder nebenbei gezielte Spitzen auf die Dehumanisierung in der modernen Arbeitswelt, in der karrierewillige Angestellte zu Zuhältern, Flittchen und Laufburschen degradiert werden. Tatsächlich ist Shirley MacLaines Fran Kubelik der erste weibliche Mainstream-Charakter, dem es zugestanden wird, die Geliebte eines verheirateten Mannes zu sein und trotzdem als Sympathieträgerin fürs Publikum zu bestehen.

"Das Apartment" hat die Frauen im Film einen großen Schritt voran gebracht (ohne ihn und seinen großen Erfolg an der Kinokasse wäre der kurz danach entstandene "Frühstück bei Tiffany" wohl undenkbar gewesen).

10/10

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