Mittwoch, 17. Februar 2010

Coma (1978)

Patienten eines angesehenen Krankenhauses enden nach Routineeingriffen im Koma. Bedauerliche Unfälle oder Absicht? Eine junge Ärztin (Geneviéve Bujold) kommt einer unglaublichen Verschwörung auf die Schliche und muss bald selbst um ihr Leben rennen...

Michael Crichton, als Bestseller-Autor und Regisseur ("Westworld", "Looker") Spezialist für futuristische Schreckens-Szenarien, inszenierte mit COMA 1978 einen modernen Klassiker des Paranoia-Kinos, der sehr sorgsam seine Spannung aufbaut und das Publikum fast einlullt, bis er in der zweiten Hälfte ein wahres Action- und Suspense-Gewitter niedergehen lässt. Sein Thema - Organhandel, die Zukunft der Medizin und der Mensch als Ersatzteillager, das an den meistbietenden versteigert wird.

Der reizenden Geneviéve Bujold kommt hier ein Part zu, der zuvor nur Männern zugedacht war. Als aufrechte Action-Heldin klettert sie durch Fahrstuhlschächte, dringt in Hochsicherheitstrakte ein und entkommt auf Autodächern ihren Verfolgern. Das macht sie alles mit Überzeugung, physischer Kraft, aber auch großer Sensibilität und Sympathie. Tatsächlich wird ihr anfangs plakativ vorgetragener Feminismus (der sie davon abhält, über das Koma einer Freundin auch nur eine Träne zu vergießen, weil sie nicht als verweiblicht gelten möchte) im Laufe des Films aufgebrochen, um dann schließlich doch wieder zur Rettung durch den männlichen Hauptdarsteller Douglas zu kommen, welcher aber über weite Strecken nur die zweite Geige spielt.

Bemerkenswert auch die düstere Musik von Jerry Goldsmith, insbesondere deren erster Einsatz, welcher spät kommt, aber wohlige Schauer über den Rücken jagt. In Nebenrollen glänzen Hochkaräter wie Richard Widmark, Rip Torn und die eiskalte Elizabeth Ashley als seelenlose Krankenschwester aus der Hölle, die per Telefon Organ-Versteigerungen durchführt und wahrscheinlich in Stepford zur Welt kam. Einige Sequenzen bleiben unvergesslich - etwa, wenn Bujold von einem Killer durch das nächtliche Hospital gejagt wird und schließlich in der Leichen-Kühlkammer entkommen kann, oder ihr Besuch im "Jefferson Institut", wo die komatösen Patienten unter violettem UV-Licht - bizarren Schaufensterpuppen gleich - zur späteren Weiterverwendung aufgebahrt werden. Unheimlich. Gruslig. Futuristisch? Wer weiß?

COMA ist ein fantastischer Thriller, heute wie damals, und Crichtons beste Regie-Arbeit.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...