Mittwoch, 17. Februar 2010

Code: unbekannt (2000)

Regisseur Michael Haneke hat mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ein packendes und intelligentes Filmwerk geschaffen, in dem er zahlreiche Geschichten parallel erzählte und sie zu einem fulminanten Finale führte.

"Code: Unbekannt" hat im Grunde eine sehr ähnliche Struktur, nur laufen hier die Episoden tatsächlich vollkommen voneinander getrennt ab, sie sind lediglich durch eine thematische Absicht verbunden. Wie häufig geht es Haneke um die menschliche Unfähigkeit zur Kommunikation und Gefühlskälte. Die Figuren können oder wollen nicht miteinander sprechen, und wenn sie es dennoch tun, reden sie aneinander vorbei. Niemand versteht den anderen, sei es durch Barrieren der Sprache, des Intellekts, der Herkunft oder des Geschlechts. Selbst das Schweigen hat tödliche Konsequenzen. Situationen werden von verschiedenen Figuren jeweils komplett anders interpretiert. Niemand hat das große Bild, wir alle handeln nur so, wie es der Moment mit den wenigen Informationen, die wir haben, gerade zulässt. Das führt zu Missverständnissen, Kälte, Verzweiflung und Gewalt - konsequenterweise bis zum Bürgerkrieg.

Das alles inszeniert Haneke mit äußerster Intelligenz, aber leider selten wirklich emotional packend. Einige der Episoden sind absolut mitreißend - besonders Juliette Binoches Begegnung mit einem Fahrgast in der U-Bahn, welche eine großartige Meisterleitung von Regie und Darstellung ist - andere Sequenzen sind dagegen zu harmlos, zu verschlüsselt oder auch zu gewöhnlich. Insofern bleibt "Code: Unbekannt" ein unbalancierter Film, der letztendlich eher enttäuscht als befriedigt, insbesondere wenn man die großen Werke von Haneke ("Die Klavierspielerin", "Der siebente Kontinent") als Vergleich heranzieht.

Man kann sich auch darüber streiten, ob Haneke mit all seiner Schonungslosigkeit und Detailtreue nicht doch immer wieder Dinge vorführt, die wir alle längst wissen und sich fragen, ob das Zusammenleben nicht auch einige positive Seiten hat, zumal er selten Humor in den menschlichen Begegnungen entdeckt, welcher durchaus auch zur Realität gehört. Aber man muss dem Regisseur natürlich zugestehen, dass er seinem Thema absolut treu bleibt und sich als Künstler aussuchen kann, was er darstellen möchte.

Für Einsteiger ins Schaffen des österreichischen Ausnahmeregisseurs ist der Film eher nicht geeignet, für Fans natürlich trotz der Schwächen ein Muss.

05/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...