Sonntag, 14. Februar 2010

Charade (1963)

CHARADE aus dem Jahr 1963 gehört zu den Filmen, die man immer wieder sehen kann, und die immer begeistern wie beim ersten Mal.

Als die Zeit der großen Hollywood-Musicals vorbei war, musste sich Regisseur Stanley Donen ("Ein Amerikaner in Paris") nach einem anderen Genre umsehen, in dem er seinen Hang zu irrealer, farbenfroher und temporeicher Inszenierung austoben konnte. Die Hitchcock-Thriller, insbesondere "Der unsichtbare Dritte", waren dafür das ideale Vorbild, und so schuf Donen "Charade" und "Arabeske", wenn sie auch deutlich leichter und verspielter sind als die Werke des Meisters, dem es hinter der schillernden Fassade auch immer um menschliche Abgründe ging.

Schauplatz ist das herbstliche Paris. Die junge Reggie (Audrey Hepburn) kommt gerade aus dem Skiurlaub zurück und muss feststellen, dass ihr Mann nicht nur ermordet wurde, sondern auch mehrere Identitäten besaß sowie eine große Summe Geldes mit zwielichtigem Hintergrund versteckt hielt. Bald schon ist eine ganze Bande von Verbrechern (James Coburn, George Kennedy u.a.) hinter der Hinterlassenschaft des Verstorbenen her, ebenso ein charmanter, aber sehr undurchsichtiger Amerikaner (Cary Grant), über dessen wahre Absichten alle, inklusive der Zuschauer, bis zum Schluss im Unklaren bleiben...

Das Drehbuch von Peter Stone schlägt dabei herrlich unvorhergesehene Haken und liefert eine Überraschung nach der anderen. Die Dialoge sprühen vor Screwball-Witz, und Stanley Donen zeichnet sein Paris in wunderschönen Farben. Letztendlich ist es aber doch die Traumpaarung Grant/Hepburn, die den Film so außergewöhnlich macht. Anders als in vielen anderen Hepburn-Filmen (insbesondere die unglaubwürdige Paarung mit Fred Astaire in "Funny Face") wird hier der absurde Altersunterschied der Darsteller nicht ignoriert, sondern bewusst thematisiert, und das auf so charmante Art, dass die Romanze nie ihre Glaubwürdigkeit einbüßt. In meinem Lieblingsmoment setzt Hepburn Grants Brille auf und sagt: "Ich wette, die brauchen Sie gar nicht!", dann legt sie die Brille schnell wieder beiseite mit den Worten: "Doch, und wie!". Grant nennt Hepburn "Kindchen" und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen ihr romantisches Verlangen. Seine in mehreren Hitchcock-Klassikern erprobte Nonchalance ist auch hier Gold wert. Selbst wenn er George Kennedy vom Dach eines Hotels in den Tod stößt - er bleibt stets sympathisch und elegant. Das gelingt nur sehr wenigen Schauspielern.

Audrey Hepburn trägt hinreißende Kostüme und bezaubert durchweg mit ihrer natürlichen Leichtigkeit, man muss sich einfach in sie verlieben. Zu dem illustren Ensemble gesellt sich noch Walter Matthau in einer sehr doppelbödigen Rolle. Zusammen mit wunderbarer Musik von Henry Mancini und vielen stimmungsvollen Außenaufnahmen kann man an CHARADE einfach nichts aussetzen. Ein verdienter Klassiker des komödiantischen Thrillers, strahlend, spannend, witzig und stylish.

Das 2002 entstandene Remake "The Truth About Charlie" mit Mark Wahlberg und Thandie Newton in den Grant/Hepburn-Rollen (nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist kein Witz!) beweist eindrücklich, dass die Zeiten von so hochklassiger Unterhaltung leider vorbei sind.

10/10

Kommentare:

  1. Also, der Film gehört ganz eindeutig zu meinen absoluten Lieblingen!

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  2. Wie könnte er auch nicht? Da stimmt ja einfach alles, oder? :-)

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