Mittwoch, 17. Februar 2010

Chansons d'Amour (2007)

Christophe Honorés modernes Musical LES CHANSONS D'AMOUR aus dem Jahr 2007 ist eine Liebeserklärung an die Nouvelle Vague, Jacques Demy, die Stadt Paris und die Stars des jungen französischen Kinos. Ich wusste so gut wie nichts über den Film und war am Ende so hingerissen, dass ich ihn mir am liebsten gleich noch einmal angesehen hätte.

CHANSON DER LIEBE handelt von Ismael (Louis Garrel), der in einer Ménage-à-trois mit Julie (Francois Ozon-Star Ludivine Sagnier) und Alice (Clotilde Hesme) lebt. Als Julie überraschend stirbt, isoliert sich Ismael komplett von Familie und Freunden. Erst der Abiturient Erwann (Grégoire Leprince-Ringuet) kann durch seine jugendliche Liebe überraschend Ismaels Mauer durchbrechen...

Obwohl CHANSON DER LIEBE deutlich an den Klassiker "Die Regenschirme von Cherbourg" erinnert (allein schon wegen der Besetzung mit Catherine Deneuves Tochter Chiara Mastroianni, die wie einst die Mama mit durchsichtigem Regenschirm durch Paris schlendert), ist Honorés Film nicht bunt, beschwingt und heiter. Es geht um Trauer und Abschied (der Film ist in drei Akte aufgeteilt: Verlust, Abwesenheit und Rückkehr). Die entfärbten Bilder des winterlichen Paris und die Songs, die von Alex Beaupain für den Film komponiert wurden (er erhielt den César und zahlreiche andere Preise dafür), sind voller Melancholie und Traurigkeit, aber nie deprimierend oder verkitscht.
Die Szenen zwischen Garrel und Leprince-Ringuet sind dabei die schönsten des Films. Der unsterblich verliebte Bretone und der einsame Held, der zunächst alle Annäherungen abwehrt, sind ein wirklich zu Herzen gehendes Paar. Der stets verschlafen und zerknautscht wirkende Louis Garrel (Die Träumer) erinnert in seiner exaltierten Spielweise oft an den jungen Jean-Pierre Léaud.
Die Musical-Nummern werden von der jungen Besetzung überzeugend interpretiert, ohne jemals in Künstlichkeit abzugleiten, alle bleiben stets naturalistisch in Bewegung und Sprache. Choreografien werden lediglich angedeutet, Honoré entscheidet sich bewusst gegen Ironie oder Persiflage, er nimmt sein Drama ernst. Sexuelle Etiketten oder Verklemmtheit existieren in seiner Welt nicht (allein ein Grund, diesen und die meisten französischen Filme zu lieben), Liebesgefühle können überall und jeden treffen. Wenn Ismael merkt, dass er mit Erwann einen Mann liebt, ist das kein Konflikt für ihn. Zur entsetzten Chiara Matroianni sagt er nur: "Ein nackter Junge in meinem Bett verrät dir alles über mich?" - So stelle ich mir erwachsene Filme vor, vielen Dank!

Wie die Werke der Nouvelle Vague spielen viele Szenen direkt auf den Straßen, die Kamera ist unmittelbar dabei, trotz der "irrealen" Songs entsteht eine realistische Atmosphäre. Und trotz aller Tiefgründigkeit entlässt CHANSON DER LIEBE den Zuschauer durch eine fantastische letzte Sequenz mit einem geradezu euphorischen Glücksgefühl. Man möchte hinausgehen und sich auf der Stelle verlieben!

10/10


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