Mittwoch, 17. Februar 2010

Carrie - Des Satans jüngste Tochter (1976)

CARRIE - DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER war 1976 ein weltweiter Sensationserfolg, der dem Horror-Genre neue Impulse gab und ein neues Teenager-Publikum in Massen in die Kinos lockte. CARRIE war die erste Verfilmung eines Stephen King-Romans und katapultierte sowohl den Schriftsteller als auch Regisseur Brian De Palma, der zuvor durch skurrile Arthaus-Filme ("Greetings") und Hitchcock-Hommagen ("Sisters") aufgefallen war, quasi über Nacht zu Star-Ruhm.

CARRIE ist jedoch mehr als ein Horrorfilm, und hier liegt auch der Schlüssel für seinen Erfolg. Wer jemals von fiesen Mitschülern und ungerechten Lehrern gehänselt, gemobbt oder gedemütigt wurde, kann sich mit der armen Carrie (Spacek) identifizieren, die aufgrund der bizarren Erziehung ihrer religiös-fanatischen Mutter (Laurie) zur Außenseiterin geworden ist. Jetzt entdeckt die schüchterne Carrie neben ihrer ersten Periode auch telekinetische Kräfte. Als die unbarmherzigen Mitschüler einen unsagbar grausamen Streich mit Carrie spielen, entfesselt sich ihre Kraft vollends, und ein romantischer Abschlussball wird zum tödlichen Inferno...

Dass De Palma den Film mit Carries erster Menstruation beginnen lässt, gilt bis heute als Geniestreich, der mit dem klassisch-subtilen Gruselkino bricht und die Figur Carrie umgehend an den pubertierenden Zuschauer bindet. In den frühen 70ern sollte das junge Zielpublikum mit spezifischer Problematik angesprochen werden. CARRIE ist dafür ein Musterbeispiel. Das Highschool-Setting gehört nach wie vor zum Standard des Genres. De Palma zitiert in CARRIE erneut sein großes Vorbild Hitchcock, in dem er die Schule "Bates High School" nennt und sein Komponist Pino Donaggio an entsprechenden Stellen die berühmte "Psycho"-Musik von Bernard Herrmann benutzt. Die Kamera von Mario Tosi taucht das grausige Geschehen in extrem warme, weiche Bilder. Bereits die Titelsequenz, in der die Kamera in Zeitlupe durch die Mädchen-Umkleide der Schule fährt, entwickelt eine offen voyeuristische und zugleich surreale Atmosphäre, der man sich schwer entziehen kann. Der "handfeste" Horror beginnt erst im letzten Drittel, trotzdem bleibt CARRIE vom ersten Moment an bis zum Finale nervenzerrend spannend.

Für die seinerzeit unverbrauchten Jungstars wie John Travolta, Nancy Allen, Amy Irving, und natürlich Sissy Spacek (als Carrie das vielleicht mitleiderregendste Filmgeschöpf seit King Kong) war CARRIE das Karriere-Sprungbrett. Piper Laurie kam für CARRIE aus dem Film-Ruhestand zurück und begeistert mit einer fantastischen, beängstigenden Darbietung. Sie ist das eigentliche Monster des Films. Spacek und Laurie erhielten Oscar-Nominierungen - für einen knalligen Horror-Schocker mehr als nur ungewöhnlich, aber absolut verdient.

Nach über 30 Jahren hat sich CARRIE einen Status als moderner Klassiker erarbeitet. Er ist überzeugend gespielt, emotional bewegend, schockierend, erlesen fotografiert und mit viel Fantasie und technischer Finesse in Szene gesetzt. Allein das Abschlussball-Finale, das De Palma konsequent über Split Screen erzählt, ist unvergesslich. Nebenbei erfindet er noch ein Horror-Versatzstück, ohne das heute kein Genrefilm auskommt - den allerletzten Schluss-Schock, der das Publikum mit nachhaltiger Gänsehaut kreischend ins reale Leben entlässt.

10/10

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