Samstag, 13. Februar 2010

Bus Stop (1954)

Als hemmungsloser Bewunderer bin ich geneigt, allen Filmen, in denen Marilyn Monroe mitspielt, die volle Punktzahl zu geben, doch BUS STOP aus dem Jahr 1954, in dem sie ihre Wandlung vom Leinwandstar zur ernsthaften Charakterdarstellerin mit Bravour besteht, fällt als Film insgesamt einfach zu schwach aus, und das ist sehr schade, denn Marilyns Darbietung ist hier wirklich fantastisch.

Sie spielt die Barsängerin Cherie, die nicht viel Talent besitzt (ihre Darbietung von "That Old Black Magic" ist hinreißend falsch), aber von einer Hollywood-Karriere träumt. Der naive Rodeo-Cowboy Bo (Don Murray) verliebt sich bereits beim Anblick der Schönheit (wer würde das nicht?) und setzt sich in den Kopf, sie zu heiraten und auf seine Farm in Montana mitzunehmen. Da sich Cherie aber widerspenstig zeigt, entführt er sie kurzerhand in einen Reisebus, und in einem verschneiten Bus Stop spitzt sich das Drama zu...

Marilyns Cherie ist wieder einmal die dümmliche Blondine mit dem großen Herz, aber Marilyn spielt sie mit so viel Zerbrechlichkeit und Humor, dass sie dem Klischee mühelos entgeht. Mit starkem Hinterwäldler-Akzent und Löchern in den Netzstrümpfen darf sie ebenso witzig wie rührend sein. Neben ihr verblassen alle, und das gilt besonders für Hauptdarsteller Don Murray, dessen überlaute Vorstellung eines naiven Bauernburschen, der zu blöd ist, um bei Grün über die Straße zu gehen, dermaßen schnell auf die Nerven geht, dass man sich wünscht, er würde beim Rodeo von einem Stier zermalmt werden. Auf keinen Fall möchte man ein Happy End mit der liebreizenden Marilyn, die für diesen Trottel alle Träume aufgeben muss. Murray und sein Sidekick Arthur O'Connell zeigen darüber hinaus die anstrengende Tendenz, sich ihre Dialoge entgegenzubrüllen, was im letzten Akt zu ständiger Schreierei führt, die echte Dramatik ersetzen soll.

Zuletzt muss man sagen, dass der Film übermäßig stark gealtert ist. Dass jemand wie unser Cowboy einfach mal eine kreischende Frau mit dem Lasso einfängt, sich über die Schulter wirft und in einen Bus zerrt, weil er meint, sie gehöre zu ihm, und sämtliche Passanten schauen lächelnd zu (Ach, die Liebe...), das ist sogar für einen Film der 50er peinlich. Die Ansichten, die BUS STOP über Männer und Frauen verbreitet, dürften ebenfalls überholt sein (ein Mann wird erst durch Faustkampf zum richtigen Mann, eine Frau darf ihre eigenen Wünsche vergessen und eine frustrierte Hausfrau zwischen Kühen und Babys werden, wenn der Mann ihr dafür in die Jacke hilft).

Glücklicherweise gibt Marilyn dem angestaubten Film genug Schwung, Witz und Esprit, dass man sich BUS STOP über weite Strecken anschauen kann, aber er ist weit, weit entfernt von Marilyns besten Filmen.

06/10

Kommentare:

  1. Den gucke ich eigentlich auch immer nur wegen Marilyn. Ich finde, sie war hier absolut hinreißend!

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  2. Absolut! Aber dieser Don Murray... grrrrr - ich würde sagen, das ist MEIN Laurence Olivier, kicher.

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  3. Jedem Tierchen sein (Anti-) Plaisierchen, lieber Mathias. *grins*

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