Mittwoch, 17. Februar 2010

Broken Flowers (2005)

"Broken Flowers" von Jim Jarmusch wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen bejubelt, weil er eine Prämisse, die Stoff für eine typische Hollywood-Komödie bieten würde, in eine vollkommen unerwartete Richtung lenkt, die typisch Jarmusch ist. Der Film ist sehr ruhig, sehr lakonisch, minimalistisch und wird getragen von der Präsenz Bill Murrays, der sich in den letzten Jahren auf genau diesen Typus des phlegmatischen Tragikomikers spezialisiert hat. Man kann seinen Spaß an "Broken Flowers" haben, man kann ihn aber auch langatmig und unoriginell finden. Ich selbst konnte mich schwer entscheiden, tendiere aber eher zum Letzteren. Denn was nach dem Sehen übrig bleibt ist wahrlich nicht viel. Zwar entgeht "Broken Flowers" tatsächlich jedem Klischee und jeder Vorhersehbarkeit, er verweigert auch die für solche Art Geschichten zwingende Auflösung in bewundernswerter Form, aber was hat "Broken Flowers" außer Bill Murray wirklich zu bieten und zu erzählen? Im Grunde ist dies eine oft gesehene Geschichte - ein Mann zieht aus, um sein vergangenes Leben Revue passieren zu lassen und landet am Ende dort, wo er angefangen hat, ein wenig klüger, ein wenig trauriger. Über die Frauen, denen Murray auf seiner Reise begegnet - allesamt sehenswerte Gastauftritte von Sharon Stone, Jessica Lange und Tilda Swinton, die aber viel zu wenig Raum bekommen, um wirkliche Figuren darzustellen und mehr Abziehbilder einer ziemlich trüben Sicht auf Frauen sind (keine von ihnen scheint geistig gesund zu sein, was zwar der Skurrilität des Films entspricht, aber darüberhinaus ins Leere läuft) - erfahren wir praktisch nichts, über Murray selbst auch nicht wirklich, was es etwas schwer macht, sich für seine Reise von ganzem Herzen zu interessieren. Viele von Jarmuschs komischen Einfällen sind ziemlich platt und banal (die "Lolita"-Anspielungen, Murrays Filmname Don Johnston, der immer wieder zu Belustigung führt, dazu die Doppelung mit Don Juan, die sehr unsubtil geführt wird). Zudem lauert unter der so eigenwilligen Oberfläche ein merkwürdig konservativer Ton - Murrays Junggesellendasein wird überdeutlich dem heilen Familienleben seines besten Freundes und Nachbarn gegenüber gestellt (durch Buch und Ausstattung), und der Film scheint mit der Aussage zu schließen, dass Murray ein besseres, glücklicheres Dasein hätte führen können wenn er sich nicht für das Alleinsein entscheiden hätte, was eine fragwürdige Moral bleibt und ein wenig simpel wirkt, um es mal vorsichtig zu formulieren. Da Jarmusch sich allen Standard-Antworten auf derlei Fragen verweigert, entgeht er natürlich auch jeder konkreten Kritik an solchen Absichten, insofern bleibt am Ende nur das reine Geschmacksurteil. Für mich ist "Broken Flowers" ein unterhaltsames Road-Movie mit einigen sehr schönen Szenen, einem klasse schrägen Soundtrack und einem wunderbaren Bill Murray, den ich aber nicht mehr allzu häufig in immer derselben Rolle sehen möchte. Wer skurrile Geschichten fernab vom Mainstream liebt, wird sicher Gefallen an "Broken Flowers" finden, Fans von Jim Jarmusch natürlich ohnehin.

05/10

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