Mittwoch, 17. Februar 2010

Brokeback Mountain (2005)

BROKEBACK MOUNTAIN (Brokeback Mountain) von Ang Lee erzählt - kurz gefasst (da hinlänglich bekannt) - die Geschichte der beiden Cowboys Ennis (Heath Ledger) und Jack (Jake Gyllenhaal), die sich beim gemeinsamen Schafehüten in den Bergen ineinander verlieben, über viele Jahre aber nicht zu ihrer Liebe stehen können, was dramatische Konsequenzen nach sich zieht...

BROKEBACK MOUNTAIN ist ein Film über das Nicht-Reden-Können, über das Nicht-Aussprechen-Können. Darüber, dass Schweigen das persönliche Glück verhindert und Menschen, die man liebt, im Unklaren lässt. Das betrifft nicht nur die Liebesbeziehung zwischen Jack und Ennis, sondern alle Beziehungen im Film (die Ehen, die Vater/Tochter-Konstellationen), inklusive des großen und oft missverstandenen Moments, in dem Anne Hathaway per Telefon Ennis von Jacks Schicksal berichtet. Auch hier ist das Nicht-Aussprechen konsequent (während sie eine Lüge erzählt, sehen wir, was wirklich passiert ist) und deswegen umso bitterer. Regisseur Ang Lee inszeniert die sensible Geschichte mit so wenig Worten wie möglich, aber mit ungeheurer Bilderkraft. "Liebe ist eine Naturgewalt" heißt die Werbezeile zum Film, und das passt genau. Einige Szenen bleiben unvergesslich - wie etwa Heath Ledger buchstäblich von der Straße gefegt wird, wenn er merkt, was für Gefühle er hat, oder wie explosionsartig der erste Sex zwischen den Männern abläuft, weil sich hier lange aufgestaute Begierde und Unterdrückung Bahn brechen.
Dazwischen schwelgt der Film in grandiosen Naturaufnahmen, in denen klar wird, wie unwesentlich und nichtig gesellschaftliche Moralvorstellungen und Regeln sind. Dass der Film so oft als "schwuler Cowboyfilm" bezeichnet wird, ist bedauernswert, denn er erzählt gerade durch die komplexen Beziehungen, wie falsch derlei Etiketten sind. Schwul, bi, hetero, was sollen schon diese Bezeichnungen, wenn es doch nur um universelle Gefühle geht? Die Wölfe können Schafe reißen, die eigentlich von den Cowboys bewacht werden sollten, und ein Gewittersturm kann ein mühsam augebautes Camp zerstören - Die Natur setzt sich am Ende immer durch, und es ist sinnlos, dagegen anzukämpfen.

Das, was der Film und alle Beteiligten geschafft haben, ist das Nicht-Reden in der öffentlichen Wahrnehmung aufzubrechen. Und es ist sehr befreiend zu sehen, dass nach Jahrzehnten der Verklemmung eine Liebe zwischen Männern im Kino (besonders im amerikanischen Kino) ohne irgendeine Art von Typisierung oder Klischeehaftigkeit erzählt werden kann. BROKEBACK MOUNTAIN ist ein Drama für Erwachsene, die keine Scheu vor (unnötigerweise) tabuisierten Themen haben, und für Zuschauer, die Langsamkeit und Stille ertragen können. Es gibt im Film keine einzige schnelle Schnittfolge. BROKEBACK MOUNTAIN ist eine Meditation über die Naturgewalt Liebe, nicht mehr und nicht weniger.

10/10

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