Dienstag, 16. Februar 2010

Botschafter der Angst (1962)

Neben den Werken Hitchcocks und Orson Welles' Meisterwerk "Touch of Evil" (1958) gehört John Frankenheimers "Botschafter der Angst" verdientermaßen zu den Sternstunden des US-Thrillerkinos und den schwärzesten aller schwarzen Thriller.
Obwohl seine politische Botschaft heute noch fragwürdig erscheint, ist der Film so straff, spannend und verstörend erzählt, dass keine Minute Langeweile aufkommt. Die Darsteller sind exzellent, insbesondere Angela Lansbury als machtgierige Mutter aus der Hölle (Anklänge an "Macbeth" sind durchaus beabsichtigt). Janet Leigh verleiht einer im Grunde unwichtigen Nebenfigur allein durch ihre Präsenz Sympathie und Ausstrahlung.

Die Story: ein gefeierter Kriegsheld (Laurence Harvey) wurde in Gefangenschaft einer Gehirnwäsche unterzogen und zu einem willenlosen Attentäter "abgerichtet", der auf Befehl tötet. Seine eigene Mutter (Angela Lansbury) missbraucht ihn für ihre politischen Zwecke. Nur sein ehemaliger Freund Shaw (Frank Sinatra), der seit dem Krieg von schlimmen Alpträumen geplagt wird, ahnt nach und nach die Zusammenhänge und muss ein geplantes Blutbad verhindern...

Wem heutige US-Thriller zu oberflächlich und harmlos sind, ist mit "Botschafter der Angst" auf der sicheren Seite. Hier werden Augen, Ohren und Gehirn gleichermaßen beschäftigt. Er unterhält auf Hochspannung, sorgt für die eine oder andere Gänsehaut und wirft zudem noch interessante Fragen auf. John Frankenheimer schildert das Geschehen konsequent und in harten Schwarzweißbildern. Wenn Laurence Harvey als fremdgesteuerter Killer unerwartet seine Verlobte und deren Vater tötet, geschieht das ebenso kaltblütig wie lautlos und hinterlässt einen verwirrten und schockierten Zsuchauer, der die Zusammenhänge noch nicht ahnen kann.

Ein Klassiker, der übrigens viel besser ist als das ansehbare, aber geschönte Remake mit Denzel Washington aus dem Jahr 2004.
Leider ist hierzulande keine DVD mit der vollständigen Fassung erhältlich. Sowohl die MGM-Veröffentlichung als auch die SZ-Cinemathek bieten nur eine gekürzte Version an, in der u.a. mehrere surreale Sequenzen fehlen. So wird eine medizinische Vorführung der Testkandidaten vor dem Geheimdienst von den Teilnehmern unter Einfluss der Gehirnwäsche als Vorführung auf einer Teeparty vor netten älteren Damen wahrgenommen.
Lediglich auf ARTE lief eine ungekürzte Fassung, wer kann, sollte sich diese besorgen, bzw. auf die US-DVD zurückgreifen.

09/10

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