Dienstag, 16. Februar 2010

Böse Saat (1956)

"The Bad Seed" gehört zu den hierzulande weniger bekannten Klassikern des Horrorfilms, dabei hat er seinerzeit in den USA einen heftigen Skandal und wüste Debatten ausgelöst. Nach dem Bühnenstück von Maxwell Anderson (das wiederum auf dem Roman von William March basiert) erzählt der Film von einer jungen Mutter, deren eigene Mutter eine Mörderin war, und die nun befürchtet, diese "böse Saat" an ihr eigenes, engelhaftes Töchterlein weitergegeben zu haben. Dafür gibt es auch erste Anzeichen, denn die süße Kleine ist ein rücksichtsloses Biest, das ohne mit der Wimper zu zucken mordet...

Der Film wirft die absurde These auf, dass ein "Mord-Gen" weitervererbt werden kann - dass Menschen nicht durch schädliche Umwelteinflüsse, sondern allein durch ihre Herkunft zu Mördern werden können. Regisseur Mervyn LeRoy und seine Darsteller nehmen diese im Grunde alberne Prämisse so ernst, dass dabei ein extrem spannender und seltsam glaubwürdiger Film herauskommt. Zwar wird der Schocker seine Theater-Herkunft nie los und bleibt sehr bühnenhaft (die meisten Szenen spielen im Haus der Familie), aber die glänzende Leistung der Schauspieler, die alle bereits in der Bühneninszenierung dabei waren, gleicht das mühelos aus. Besonders Nancy Kelly ist grandios als verzweifelte Mutter, die zwischen der Liebe zu ihrer Tochter und dem Wissen um deren böse Taten hin - und hergerissen ist.

"The Bad Seed" ist ein merkwürdiger und dennoch faszinierender Film mit einem sehr grotesken "Deus Ex Machina"-Ende, das seinerzeit vom Hollywood-Moralcode eingefordert wurde. Die Tatsache, dass auch diese aktuelle DVD-Veröffentlichung noch keine Jugendfreigabe erhalten hat, zeigt, wie scheinbar brisant der Thriller heute immer noch ist, wenn er auch vollkommen gewaltfrei bleibt.

07/10

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