Sonntag, 28. Februar 2010

Blumen ohne Duft (1970)

"Beyond the Valley of the Dolls", so der Originaltitel, durfte aufgrund legaler Streitereien mit der Autorin von "Valley of the Dolls" nicht als Sequel beworben werden, erzählt aber im Grund die gleiche Geschichte noch einmal. Im Gegensatz zur Vorlage "Tal der Puppen", in welchem absurde Schicksale so ernst genommen werden, dass der Film ein Klassiker des unfreiwilligen Humors geworden ist, geht Regisseur Russ Meyer in seiner Version weiter und macht gleich zu Beginn deutlich, dass es sich hier um teuren Trash handelt. Tatsächlich war dies der erste Film der 20th Century Fox, der mit einem X-Rating bedacht wurde und ist dem Studio heute noch so peinlich, dass er in keiner offiziellen Chronik auftaucht. Dass die deutsche DVD heute noch ein FSK 18-Siegel trägt, bleibt allerdings ein Witz, denn außer einem abgeschlagenen Pappmachè-Kopf und jeder Menge nackter Brüste (das Markenzeichen von Russ Meyer), gibt es weit und breit nichts, was Sechsjährige erschrecken würde.

Meyer und sein Drehbuchautor Roger Ebert (der US-Filmkritiker) erzählen von drei Mädels, die im ihrer Rockband im Musikgeschäft Furore machen wollen und dabei an (wenig) Alkohol, Pillen und (jeder Menge) Sex beinahe zerbrechen, bis ein bizarres Happy End mit Erzählerstimme von Russ Meyer doch noch alles gut werden lässt. Die erste Stunde des Films verläuft dabei eher beschaulich und bietet außer jeder Menge Partyszenen mit Joints und Oben-Ohne-Girls nichts Aufregendes. Dann aber überschlagen sich plötzlich die Ereignisse, Abgründe tun sich auf, es gibt Vergewaltigungen, Selbstmordversuche auf offener Bühne, einen Butler, der sich als Nazi verkleidet und einen androgynen Rock-Titan, der sich überraschend als Frau outet und einem widerspenstigen Lover mit seinem Ritterschwert enthauptet, bevor er noch weitere unaussprechliche Taten verübt.

Das absurde Spektakel wird von "Schauspielerinnen" dargeboten, die größtenteils als Playmate tätig waren und dementsprechendes "Talent" aufweisen. Wie üblich bei Meyer beherrschen die Frauen den Film, Männer sind von geringer Bedeutung und müssen oft als Sexobjekte herhalten. Das macht Meyers Independent-Produktionen so originell und erfrischend, hier - unter der Aufsicht eines großen Studios - kommt dieser Vorzug nur wenig zum Vorschein. Das Ganze ist hübsch gefilmt und wird von altmodischen Montagen begleitet, der Trash-Faktor ist vom ersten Moment an präsent und auch gewollt. Da frohlockt ein Pärchen in Zeitlupe durch Wald und Wiesen, ein naiver Junge vom Land wird erst von seiner Freundin, dann von einer Pornodarstellerin gedemütigt, bevor er während eines Live-Acts der Girlieband vom Schnürboden springt (mit einem wirklich schaurigen "Knack"-Soundeffekt beim Aufprall), später sitzt er im Rollstuhl und erlebt eine wundersame Filmheilung.

Alles in allem muss man "Blumen ohne Duft" nicht gesehen haben, aber als Partykracher besitzt er durchaus Unterhaltungswert, weil man über die hölzernen Darsteller/innen, die schwerfällige Regie und die bewusst naiven Übertreibungen sehr schön lachen kann. Ich ziehe dennoch das Original wegen seiner Blindheit gegenüber des eigenen Trash-Faktors vor.

07/10

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