Mittwoch, 17. Februar 2010

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren (1981)

Nach seinem Riesenerfolg mit dem Psycho-Thriller "Dressed To Kill" (1980) inszenierte Brian De Palma 1981 mit BLOW OUT - DER TOD LÖSCHT ALLE SPUREN einen Polit-Thriller, der ihn von seiner düstersten und hoffnungslosesten Seite zeigt - und das Publikum blieb in Scharen aus. Leider, wenn man die hohe Qualität des Films betrachtet.

John Travolta spielt den Toningenieur Jack, der bei nächtlichen Soundaufnahmen Zeuge eines Autounfalls wird, bei dem ein hochrangiger Politiker ums Leben kommt. Er kann die Prostituierte Sally (Nancy Allen) retten, die ebenfalls im Wagen saß, und schon bald glaubt er, dass es sich bei dem vermeintlichen Unfall um ein gezieltes Attentat handelte. Je näher er bei seinen Nachforschungen der Wahrheit kommt, desto mehr bringt er sich und Sally in tödliche Gefahr...

De Palma eröffnet BLOW OUT mit einem Film-im-Film, der sich über die Slasher-Filmwelle der frühen 80er (und sich selbst) lustig macht. Hat De Palma in seiner Karriere den großen Hitchcock ausgiebig zitiert (so auch hier, etwa in der Wahl von Sehenswürdigkeiten als Schauplatz finsterster Verbrechen), bedient er sich in BLOW OUT deutlich bei Michelangelo Antonionis "Blow Up" (1966) und Coppolas "Der Dialog" (1974). Seine obsessive Faszination von technischer Überwachung in allen Formen kommt hier großartig zum Tragen. BLOW OUT wurde vielfach zu Recht als Vertreter des "Pure Cinema" bezeichnet. Nicht Handlung, Dialoge oder Charaktere bestimmen den Film, sondern De Palmas Inszenierung und Kamera, die stets nach ausgefallensten Bildern und Sensationen sucht.

So ist BLOW OUT nicht unbedingt als Polit-Thriller aufregend (die vermeintlich komplexe Verschwörung ist relativ leicht zu durchschauen), aber als visuelle Tour de Force raubt er den Atem. Travoltas nächtliche Tonaufnahmen im Park, die finale Jagd durch Philadelphia während einer Feiertagsparade inklusive Feuerwerk, die Ermordung einer Doppelgängerin Nancy Allens auf einer Damentoilette oder die delirisch kreisende Kamera, wenn Travolta feststellt, dass sämtliche seiner Tonbänder gelöscht wurden, das alles sind packende Momente großen Thriller-Kinos. De Palma nutzt alle technischen Möglichkeiten (Split Screen, Slow Motion), die ihm zur Verfügung stehen und erzielt damit den maximalen Effekt. Pino Donaggio hat für BLOW OUT einen wundervollen, ebenso romantischen, traurigen, wie pulsierenden Score komponiert.

Obwohl die Schauspieler hinter dem optischen Bombast zurücktreten müssen, zeigen Travolta und Allen (die schon in De Palmas "Carrie" ein unvergessliches Paar abgaben) klasse Leistungen - wenn man akzeptiert, dass Nancy Allen von (ihrem damaligen Ehemann) De Palma zu einer übertrieben dümmlichen Interpretation ihrer Rolle getrieben wird (welche in der deutschen Synchronfassung fast unerträglich verstärkt wird) und den Kritikern willkommenen Anlass zum üblichen Vorwurf der Frauenfeindlichkeit bot. Sie ist dennoch eine extrem liebenswerte und "reale" Figur, mit der man mitfühlt und ~leidet, wenn sie in Gefahr gerät. John Lithgow als psychopathischer Killer bleibt ebenfalls lange im Gedächtnis.

Letztlich zeigt sich Brian De Palma in BLOW OUT als absoluter Pessimist und entwirft das zynischste Finale, das er jemals auf die Leinwand brachte. Der vorhandene Humor ist tiefschwarz und bitter. Vielleicht auch deswegen fand er nicht den erhofften Publikums-Zuspruch. Vielleicht war 1981 die Zeit der großen Polit-Thriller auch vorbei. Egal. Für mich gehört BLOW OUT zu De Palmas besten Filmen.

10/10

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