Dienstag, 16. Februar 2010

Blaubarts achte Frau (1938)

Eine arme Adelige (Claudette Colbert) muss unter dem Druck des Vaters einen siebenmal geschiedenen Milionär (Gary Cooper) heiraten. Aus Rache bringt sie ihn bald zur Scheidung, ist aber plötzlich doch verliebt...

"Blaubarts achte Frau" gehört zu den frivolsten Filmen Lubitschs (Drehbuch von Billy Wilder und Charles Brackett). Allein das erste Kennenlernen von Colbert und Cooper wimmelt von sexuellen Anspielungen. Die Komödie stammt aus einer Zeit, in der viel Fantasie der Autoren und Regisseure verlangt wurde, um derartige Subtexte an der Zensur vorbeizuschmuggeln, und die Ergebnise sind oft so viel charmanter und intelligenter als die heutige Tabulosigkeit. Claudette Colbert (heute leider ebenfalls etwas in Vergessenheit geraten, aber eine Meisterin ihres Fachs) und Gary Cooper spielen ihre sehr skurrilen und quirligen Charaktere mit großer Lust und Laune.

Der damalige Misserfolg des Films war offenbar darauf zurückzuführen, dass das Publikum den All-American Helden Cooper weder in diesem Genre noch in einer so frivolen und ungewohnten Rolle sehen wollte (er wird praktisch den ganzen Film über von Colbert dominiert, gegen Ende steckt er sogar in einer Zwangsjacke), und noch heute scheiden sich an ihm die Geister. Für mich ist er hier perfekt. Cooper wurde viel zu selten in romantischen Komödien eingesetzt und ist ein großartiger, eleganter Leading Man, auch wenn seine Rolle hier sehr ambivalent zwischen reich/verdorben und jungenhaft/charmant hin- und herspringt.

Der Film lebt in erster Linie von den amüsanten Wortgefechten der beiden Stars, sowie von den romantischen Verwicklungen, die zum natürlich absehbaren Happy-End führen. Vielleicht ist dies Lubtischs "unromantischster" Film, denn er wird an keiner Stelle süßlich. Tatsächlich ist die Darstellung der Horror-Ehe, in der Colbert versucht, eine Scheidung zu erzwingen, das Abgeklärteste, was der große Regisseur je inszeniert hat (und wahrscheinlich Drehbuchautor Wilder geschuldet). So isst sie Zwiebeln vorm Küssen, schreibt anonyme Briefe über ihre vermeintliche Affäre und winkt dem frisch Angetrauten auf der Hochzeitsreise in Venedig aus einer anderen Gondel zu. Der beste Dialog des Films bringt diese Haltung zum Ausdruck. Colbert spricht einen Trinkspruch auf die Ehe: "Auf unser Arrangement - keine Liebeslust und keinen Streit!" Darauf Cooper: "Also wie in jeder Durchschnitts-Ehe." - Darauf Colbert: "Ich sagte, OHNE Streit!"

"Blaubarts achte Frau" ist ein echter Klassiker und dürfte jeden Filmfan, der keine Berührungsängste mit alten Filmen hat (er stammt aus dem Jahr 1938), begeistern.

09/10

Kommentare:

  1. Den habe ich jetzt auch endlich meiner Sammlung einverleiben können. Ein wundervolles Wiedersehen mit einem lange vermißten Freund. ;-)

    LG, Pia

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  2. Ist er nicht einfach herrlich anzuschauen?

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