Mittwoch, 17. Februar 2010

Black Dahlia (2006)

BLACK DAHLIA (The Black Dahlia) wurde von der Kritik verrissen und vom Publikum gnadenlos ignoriert. Regisseur Brian De Palma hat schon einmal einen solchen Flop erlebt, und zwar mit "Fegefeuer der Eitelkeiten" (1990), und interessanterweise besitzt jenes Werk exakt die gleichen Schwächen: Drehbuch und Darsteller.

BLACK DAHLIA basiert auf dem Kriminalroman von James Ellroy, der im Hollywood der 40er Jahre angesiedelt ist und seinerseits auf dem bis heute ungeklärten Mord an Starlet Elizabeth Short beruht. Doch dieser Mordfall ist nur ein Handlungstrang von vielen. Drehbuchautor Josh Friedman hatte leider nicht den Mut, auf mehrere der Subplots zu verzichten und bringt sie tatsächlich ALLE im Film unter. Neben dem Mordfall gibt es also noch korrupte Polizisten, manipulierte Boxkämpfe, entlassene Zuhälter, die auf Rache schwören, veruntreutes Geld aus einem Bankraub, eine Dreiecks-Liebesgeschichte, Inzest, Pornografie, undsoweiter undsoweiter.

War der Roman noch komplex strukturiert wie alle Ellroy-Bücher ("L.A. Confidential"), schafft Friedman die Balance zwischen komplex und kompliziert nicht und vermischt alles zu einem großen verwirrenden Brei, der am Ende nur noch durch das Schwächste aller erzählerischen Mittel aufgelöst werden kann: die Darsteller müssen minutenlange Monologe halten und dem Zuschauer die Handlung erklären.
Es dauert alleine eine halbe Stunde, bis der Betty-Short-Mord, die BLACK DAHLIA überhaupt erwähnt wird. Dazu kommt die traurige Tatsache, dass der Thriller entsetzlich fehlbesetzt ist. Josh Hartnett hat weder die Reife noch das Zeug als Schauspieler dazu, Faszination oder Sympathie für seine Figur aufkommen zu lassen. Am besten funktinoiert er noch, wenn er nichts spielt, wenn er aber komplizierte Emotionen ausdrücken will, versagt er völlig. Scarlett Johansson sieht absolut umwerfend in der 40er-Jahre-Garderobe aus, ist aber mit einer langweiligen Rolle gestraft, die nichts von ihr verlangt als ständig besorgt zu sein. Beide sind darüberhinaus viel zu jung für dieses Genre, das ist nicht ihre Schuld.

Der Film Noir verlangt nach erwachsenen, reifen Charakteren (man denke an Jack Nicholson und Faye Dunaway in "Chinatown"), für die das moderne Hollywood-Kino aber leider nichts übrig hat. Aaron Eckhart und Hilary Swank (gegen ihren Typ als Femme Fatale eingesetzt) können den Schaden nicht wieder gut machen, und das Overacting der Nebenfiguren wie Fiona Lewis und die melodramatischen "Noir"-Gesten (das Zigaretten-Anzünden, die Körperhaltung, Gang und Sprache) sind übertrieben künstlich und befremdend.

ABER - BLACK DAHLIA ist wundervoll anzuschauen. Kamera, Kostüme, Licht, Ausstattung und Musik sind von höchster Qualität, ein opulenter Genuss für Augen und Ohren. Dante Ferretti hat in Bulgarien das L.A. der 40er makellos nachgebaut, und Regisseur De Palma sorgt für einige visuell atemberaubende Sequenzen. Und dann ist da auch noch Mia Kirshner, die das Mordopfer Betty Short spielt. Sie alleine schafft es in ihren drei Szenen, ein Gefühl für die Tragik der Betty Short zu erzeugen. Doch die eklatanten Schwächen des Drehbuchs werden dadurch leider nicht wett gemacht, zumal der Film nie seinen Rhythmus findet und schlussendlich wirkt, als ginge er drei Stunden, weil Finale an Finale gehängt wird.

Für Fans von Brian De Palma ist BLACK DAHLIA definitv trotz aller Schwächen ein Muss! Sie werden viel entdecken, was ihn als Regisseur so auszeichnet und einzigartig macht (inklusive der De Palma-Veteranen Gregg Henry und William Finley in kleinen Rollen). Für alle anderen wird der Thriller sehr schwierig sein, und der totale Reinfall an der Kinokasse ist ein Beleg dafür. Das ist doppelt schade, weil man beim Ansehen des Films in jeder Sekunde spürt, wie großartig er hätte werden können.

05/10

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