Dienstag, 16. Februar 2010

Bitter Moon (1992)

"Bitter Moon" gehört für mich ganz klar zu den meistunterschätzten Filmen der 90er, wo man ihn zum Start eher auslachte und den Kopf über Regisseur Polanskis erotische Obsessionen schüttelte. Sicher, der Film ist vulgär und abstoßend, die Charaktere schwach, verkommen und/oder unsympathisch, aber all das trifft auch auf Filme wie "Wild at Heart" oder "Blue Velvet" zu, und genau in diese Kategorie gehört auch "Bitter Moon".

Die Story: ein junger, verklemmter Ehemann lernt auf einer Schiffsreise einen im Rollstuhl sitzenden Autor und seine junge, verführerische Frau kennen. Er erfährt in ausufernden Schilderungen des Schriftstellers (in Rückblenden) von der düsteren Geschichte des Paares, vom ersten Verliebtsein bis zu totaler Abhängigkeit, Verletzung und Verachtung.
Polanski inszeniert diese seltsame Geschichte als Farce und entdeckt auch in den schwärzesten Momenten immer noch absurden Humor.

Was wie eine kitschige Liebesbesziehung beginnt, wandelt sich bald in einem grauenvollen Alptraum, und für den Zuschauer sind die Figuren zwar nicht unbedingt nachvollziehbar, aber absolut fesselnd - wenn man sich darauf einlässt. Einige Szenen sind dabei wirklich schwer zu ertragen (Emanuelle Seigner stellt z.B. als Peter Coyotes Pflegerin sehr grausige Dinge mit einer Injektionsnadel an). Polanski zeigt, wozu Menschen in Beziehungen fähig sein können, und wie nah intensive Liebe, Schmerz und Grausamkeit beieinander stehen. Das ist nicht immer leicht zu schlucken, aber so viel lohnender als Filme, die jedes Risiko umgehen, um niemanden vor den Kopf zu stoßen.

9.5/10

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