Mittwoch, 17. Februar 2010

Biester (1995)

"Biester" von Regie-Altmeister Claude Chabrol ist ein enorm düsterer und böser Blick auf das Zusammenleben französischer Klassen. Hatte Chabrol in seinen früheren Werken grundsätzlich die Bourgeoisie zur Zielscheibe seines beißenden Spotts gemacht, beschäftigt er sich in "Biester" überraschend mit den Abgründen der "Unterprivilegierten", die keinen Deut besser sind als ihre noblen Herrschaften.

Die Story: eine wohlhabende Familie stellt in ihrem edlen Landsitz eine neue Haushaltshilfe (Sandrine Bonnaire) ein, die sich immer merkwürdiger verhält. Als sie die Postangestellte Jeanne (Isabelle Huppert) kennenlernt, die einen Hass auf die besser gestellte Familie hegt, kommt es zu einer folgenschweren Verbindung, die in einer Katastrophe mündet...

Claude Chabrol versteht es nach wie vor meisterhaft, seine Geschichten über Unmoral und Mordfantasien so fesselnd zu erzählen, dass man kaum wegsehen kann (und mag). Obwohl in der ersten Filmstunde kaum Außergewöhnliches pasiert, entwickelt die Geschichte mit den Details, die am Rande passieren, einen unglaublichen Sog. Das Finale von "Biester" ist gleichzeitig schockierend, makaber und konsequent.

Getragen wird "Biester" von den beiden brillanten Darstellerinnen Huppert und Bonnaire, die ihre sehr eigentümlichen Charaktere auf faszinierend glaubwürdige Weise spielen. Gerade Huppert wird selten als unterprivilegiert besetzt, aber sie taucht mühelos in ihren gleichzeitig schlicht-komischen wie abstoßenden Charakter ein. Als Zuschauer hat man stets Mühe, Sympathien für eine der Figuren zu entwickeln, interessanterweise gelingt dies leichter für die hocherrschaftliche Familie, und das ist für einen Chabrol-Film äußerst erstaunlich.
"Biester" ist ein böses Meisterstück.

9.5/10

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