Samstag, 13. Februar 2010

Bei Anruf Mord (1954)

Eine kleine, schnelle Auftragsarbeit für zwischendurch sollte DIAL M FOR MURDER (1954) werden, herausgekommen ist einer der ganz großen Klassiker im Schaffen Alfred Hitchcocks. Der Inhalt ist schnell erzählt: Ex-Tennisprofi Ray Milland möchte seine Gattin Grace Kelly, die ein außereheliches Verhältnis mit Krimiautor Robert Cummings pflegt, um die Ecke bringen lassen. Dafür erpresst er einen alten Bekannten. Doch der schöne Mordplan geht schief, und als der gedungene Killer selbst tot auf dem Teppich liegt, muss sich Milland schnell etwas anderes einfallen lassen, die reizende Grace loszuwerden...

BEI ANRUF MORD ist einer dieser Filme, die man immer und immer wieder sehen kann, selbst wenn man bereits jede Wendung der Handlung auswendig kennt. Hitchcock beweist, dass es keinen Aufwand braucht, um einen spannungsmäßig nervenzerrenden Thriller zu inszenieren, lediglich eine Handvoll guter Schauspieler, einen Schauplatz (die Londoner Wohnung) und ein gutes Buch - hier die Bühnenvorlage von Frederick Knott, der sein Stück für den Film adaptierte. Hitchcock drehte BEI ANRUF MORD in 3-D, was ihm nach eigenen Aussagen nicht behagte, und abgesehen von der Szene, in der Grace Kelly verzweifelt ihre Hand nach dem Publikum ausstreckt, in der Hoffnung, man möge ihr eine Schere reichen, fällt es auch kaum auf.

Statt derlei technischem Schnickschnack konzentriert sich Hitchcock ganz auf seine Charaktere und schafft enorme Suspense-Sequenzen. Unvergesslich, wenn Grace Kelly nachts zum Telefon wandelt, wo der Mörder schon auf sie wartet. Packend, wenn Ray Milland zur Telefonzelle eilt, welche aber leider besetzt ist. Erstaunlich, wie locker Hitchcock damit durchkommt, dass die verheiratete Grace Kelly bereits in der zweiten Filmszene einen fremden Mann küsst, mit dem sie offensichtlich ein Verhältnis hat bzw. hatte (und sich beide in der deutschen Synchronfassung fröhlich weiter siezen, was absolut absurd ist).

Apropos Grace Kelly - sie trägt flammendes Rot zu Beginn, später wird ihre Garderobe immer farbloser und unglamouröser. So erzählt Hitchcock mal eben nebenbei ihre seelische Zermürbung. Wollte man etwas kritisieren, müsste man Robert Cummings nennen, der sowohl hier als auch in Hitchcocks "Saboteur" ein wenig zu gemütlich für einen männlichen Helden wirkt. Der aalglatte Ray Milland jedenfalls spielt ihn locker an die Wand. In einer Nebenrolle brilliert (wie immer) John Williams als Scotland Yard-Inspektor, der sogar (einzigartig im Hitchcockschen Oeuvre) den Fall löst. Ein kleiner, großer Film für die Ewigkeit.

10/10

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