Mittwoch, 17. Februar 2010

Begierde (1983)

BEGIERDE - THE HUNGER aus dem Jahr 1983 ist ein seltsamer Film, der mich zwar bei jedem Sehen irgendwie enttäuscht, der aber eine so eigenartige, faszinierende Atmosphäre besitzt, dass ich ihn mir alle Jahre wieder anschaue.

Die Story: die schöne Vampirin Miriam (Catherine Deneuve) muss zusehen, wie ihr blutsaugender Gefährte und Liebhaber (David Bowie) langsam dahinsiecht. Nach seinem Ableben sucht sie einen Ersatz und findet ihn in der Wissenschaftlerin Sarah (Susan Sarandon), die sich in Laborversuchen mit dem ewigen Leben beschäftigt. Kann Sarah Miriams magischer Anziehungskraft entkommen, oder ist sie bereit für ein neues, unsterbliches Leben?

Fragen über Fragen, die Regisseur Tony Scott allerdings nicht wirklich interessieren. Figuren und Geschichte sind hier zweitrangig gegenüber der Inszenierung, die den filmischen Stil über alles stellt. Ridley Scotts kleiner Bruder Tony, der kurz darauf mit seinem Action-Blockbuster "Top Gun" einen enormen Karriereschub bekam, inszeniert seine Vampirgeschichte in totaler 80er Werbeästhetik. Ständiges Gegenlicht, Konzentration auf Details, Zeitlupen, Windmaschinen, Schauspieler, die wie Dekorationsgegenstände arrangiert und abgefilmt werden, sowie schnelle Schnittfolgen, welche bald auch durch den Einfluss von MTV Einzug ins Mainstream-Kino halten sollten, definieren den konsequenten Look von BEGIERDE. Die Eröffnung, in der im Stakkato-Rhythmus parallel zwischen Deneuve/Bowie in einer ultramodernen Disco (zum hämmernden Sound von Bauhaus' - "Bela Lugosi is Dead") und zwei Käfig-Affen in Sarandons Labor gewechselt wird, ist symptomatisch für Scotts Stil und die packendste Sequenz des Films. Zwischen weiteren Höhepunkten (wie etwa dem beschleunigten Alterungsvorgang Bowies in Sarandons Wartezimmer, hervorragend durch geniale Masken-Effekte von Dick Smith erzielt) herrscht aber auch immer Leerlauf.

Die Liebesszene zwischen Deneuve und Sarandon, die von Deneuves verführerischem Klavierspiel über die Oper Lakme zum neckischen Liebesspiel zwischen wehenden Vorhängen führt, ist zu Recht berühmt, weil die Schauspielerinnen unverkrampft und natürlich agieren, auch wenn Scotts Inszenierung die beiden in weichgezeichnete Soft-Erotik à la David Hamilton zu drängen versucht (haben wir es hier mit "Zärtliche Vampir-Cousinen" zu tun?). Hier deuten Deneuve und Sarandon an, dass BEGIERDE so viel mehr hätte sein können, wenn ihr Regisseur mehr Mut (oder überhaupt den Willen) zu inhaltlicher Tiefe und Substanz hätte. Nach der Liebesszene befragt, erklärte Susan Sarandon, dass sie natürlich nichts dabei fände, immerhin sei Deneuve eine der schönsten Frauen der Welt, und wer würde sie nicht gern küssen? - Dem kann man nur zustimmen und die Nase über derart unangebrachte Fragen rümpfen.

Kann man BEGIERDE empfehlen? Schwierig. Er ist wundervoll anzuschauen, daneben bietet er ein paar interessante Ideen, die alle nicht ausgeschöpft werden. Die Darsteller sind ausgezeichnet, auch wenn ihre Charaktere blass und oberflächlich bleiben. David Bowie verleiht dem Film mit seiner kleinen Rolle eine äußerst bizarre Note, und Catherine Deneuve personifiziert Schönheit und Trauer der Unsterblichkeit wie keine andere. Ihr französischer Akzent in der Originalfassung ist ein zusätzlicher Reiz.

Die Musikauswahl, eine Mischung aus experimentellem Synthie-Sound sowie Klassikern von Schubert und Delibes, kann ebenfalls begeistern. Sagen wir, BEGIERDE ist ein Film für den eigenwilligen Geschmack, darüber muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Wie gesagt, ich finde ihn nur bedingt gelungen, kann mich aber auch nicht entziehen. Am besten funktioniert er, wenn man ihn als düsteres Märchen betrachtet.

7.5/10

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