Mittwoch, 17. Februar 2010

Bedingungslos (1994)

Ein Autounfall mit tragischen Folgen. Die schöne Julia (Rebecka Hemse) fällt ins Koma, Familienvater Jonas (Anders W. Berthelsen), der gern aus seinem tristen Alltagsleben ausbrechen möchte, fühlt sich verantwortlich und wird bei einem Krankenhausbesuch von Julias reicher Familie für deren Freund gehalten. Fasziniert von Julia, klärt er das Missverständnis nicht auf, und damit ist sein Schicksal besiegelt...

Was wie ein Liebes- und Beziehungsdrama beginnt, entwickelt sich erst im späteren Verlauf zum intensiven Thriller mit deutlichen Bezügen zum Film Noir. Auch hier wird ein Durchschnittstyp durch die "Bekanntschaft" mit einer mysteriösen Frau vollkommen seiner Selbstbestimmung beraubt und stolpert blind in ein Netz aus Lügen, Gewalt und Mord.
Der dänische Regisseur Ole Bornedal, der 1994 mit "Nightwatch" einen weltweiten Überraschungshit und einen der spannendsten Thriller der 90er landete (und sich selbst kurz darauf mit dem unsäglichen Hollywood-Remake "Freeze" künstlerisch demontierte), liefert mit BEDINGUNGSLOS ein Thriller-Drama ab, von dem ich nicht sagen kann, ob es mir nun gefallen hat oder nicht. Die Geschichte ist ohne Zweifel originell, es fehlt ihr aber an Glaubwürdigkeit, und man darf das Konstrukt keine fünf Minuten lang hinterfragen, sonst bricht alles in sich zusammen. Einige Charaktere - wie das Krankenhauspersonal, das Jonas' Lüge einfach schluckt, ohne mit der Wimper zu zucken, verhalten sich vollkommen irreal, und obwohl Bornedal die Story an banalsten Schauplätzen ansiedelt (eine unpersönliche Neubauwohngegend), wirkt BEDINGUNGSLOS extrem gekünstelt. Schon zu Beginn bekommt der Zuschauer drei Schlüsselszenen zu sehen (betitelt als Liebesszene Nr. 1-3), die er erst später zuordnen kann, und die einen Vorgeschmack auf die kommenden Ereignisse geben. Dieser Einfall passt perfekt zum gesamten Film - er ist originell, aber er bringt im Grunde nichts.

An den Schauspielern gibt es nichts auszusetzen, insbesondere der erst später in Rückblenden auftauchende Nikolaj Lie Kaas (als "wahrer" Freund von Julia) spielt grandios. Rebecka Hemse dürfte einigen als spröde Tochter von "Kommissar Beck" aus der gleichnamigen Krimi-Reihe bekannt sein. Ich war als Zuschauer zwar interessiert am Fortgang der Geschichte, aber wirklich gepackt hat mich BEDINGUNGSLOS nie, zu sehr geht Bornedal hier Form über Inhalt - man könnte den Film in mancher Beziehung mit De Palmas "Femme Fatale" vergleichen. Am Ende war ich sehr ratlos.

06/10

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