Mittwoch, 17. Februar 2010

Beautiful Thing (1996)

In einer schäbigen Londoner Hochhaussiedlung bricht die Liebe aus. Jamie (Glen Berry) wird sowieso von allen für schwul gehalten, hat seine Homosexualität aber für sich akzeptiert. Der schüchterne Nachbarssohn Ste (Scott Neal) hat mehr unter seinem prügelnden Vater zu leiden. Jamies alleinerziehende Mutter (wundervoll echt und ungekünstelt: Linda Henry) ahnt nicht, dass die beiden Jungs sich ineinander verlieben und heimlich einen schwulen Pub aufsuchen, weil sie selbst genug Probleme mit ihrem aktuellen Lover und dem beruflichen Aufstieg hat. Das Geheimnis der Jungs reibt ihr aber die skurrile Nachbarin Leah (Tameka Empson) unter die Nase, die gern mal zu viel Drogen nimmt und dann Mama-Cass imitiert. Kann in dieser Umgebung eine junge Liebe erblühen?

Ich bin normalerweise kein Freund von Coming-Out-Filmen. Zu viele sind lediglich ein billiger Vorwand, knackige Knaben händchenhaltend von Stegen ins Wasser hüpfen zu lassen.
Die britische Produktion BEAUTIFUL THING (Beautiful Thing) der Regisseurin Hettie MacDonald ist eine Ausnahme, weil sie so viel mehr zu bieten hat. In der Tradition der britischen Milieu-Filme (z.B. "Little Voice", "Fish & Chips") gelingt es MacDonald, ein Kaleidoskop von skurrilen, interessanten und zutiefst menschlichen Figuren zu erschaffen. Dies ist die Geschichte vieler Außenseiter, die auf engstem Raum in einfachsten Verhältnissen zusammenleben, wo die romantische Liebe eigentlich keine Chance hat und gerade deswegen so gnadenlos zuschlägt.

Das Erwachsenwerden ist in BEAUTIFUL THING für alle Figuren - auch für die Erwachsenen - ein schmerzhafter Prozess, ebenso das Aussprechen und das Annehmen von Liebe. Die Darsteller sind beängstigend gut und authentisch. Kein Klischee weit und breit. "Ich bin glücklich, wenn du bei mir bist" ist der schönste Satz im ganzen Film, und das emotionale Finale zu "Dream a Little Dream" kann ich mir hundertmal ansehen, ohne dass es langweilig wird.
BEAUTIFUL THING ist witzig, warmherzig, sensibel, intelligent - und nie voyeuristisch.
So, wie eine Liebesgeschichte eben fürs Kino erzählt werden sollte.

10/10

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