Mittwoch, 17. Februar 2010

Aus Mangel an Beweisen (1990)

Wenn hervorragende Talente in Regie, Buch und Darstellung zusammenkommen und alle ihr Bestes geben, dann entsteht ein herausragender Thriller wie AUS MANGEL AN BEWEISEN aus dem Jahr 1990.

Die Geschichte: nach dem Mord an einer Staatsanwältin (Greta Scacchi) fällt der Verdacht auf ihren Geliebten, Staatsanwalt Rusty Sabich (Harrison Ford), der eine außereheliche Affäre mit der verführerischen Kollegin pflegte. Doch steckt hinter dessen kalter und undurchsichtiger Fassade wirklich ein Killer, oder ist er nur das Opfer einer raffinierten Intrige?

Das ist die Frage, die sich alle Beteiligten und der Zuchauer bis zum erregenden Schluss des Thrillers stellen. Die großen Stärken von AUS MANGEL AN BEWEISEN sind die detailliert recherchierten Gerichts-Szenen und die wirklich hervorragenden Darsteller bis hinein in die Nebenrollen. Harrison Ford spielt mit genau der Ambivalenz, die es braucht, damit das raffinierte "War er's oder war er es nicht?" funktioniert, übrigens auch bei mehrfachem Sehen.
Neben ihm glänzen Raul Julia als Fords Verteidiger, Brian Dennehy als Fords Chef mit politischen Ambitionen sowie die fantastische Bonnie Bedelia als Fords gedemütigte Ehefrau.

Regisseur Alan J. Pakula, der für anspruchsvolle Unterhaltung steht ("Klute", "Die Unbestechlichen"), verzichtet völlig auf oberflächliche Effekte und Action, setzt stattdessen auf die wohlig knisternde Spannung, die aus falschen Fährten, getäuschten Erwartungen und Charakterdetails entsteht. Das Finale liefert dazu einen unerwarteten Twist, der zu den besten seiner Art gezählt werden darf, gerade weil er nicht nur vordergründig verblüfft, sondern einen emotionalen und logischen Sinn ergibt und das Drama um eine weitere Dimension bereichert.

Nebenbei geht es auch um moralische Fragen des Justizsystems, das je nach Bedarf für Machtspielchen, das Austragen privater Konflikte, Wahrheitsfindung oder als Karriereleiter benutzt wird, und in dem es keine objektive Wahrheit gibt. Nicht umsonst löst sich der Fall nicht vor Gericht, sondern an einem völlig anderen Schauplatz. Das alles ist erlesen fotografiert und mit minimalistisch-eindringlicher Musik unterlegt (John Williams hat seine besten Scores nicht für Spielberg komponiert), die im Grunde mit nur einem Thema den gesamten Film unterstützt.

Wer an unaufdringlicher, intelligenter Thriller-Unterhaltung seine Freude hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

09/10

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