Dienstag, 16. Februar 2010

Arabeske (1966)

Als die Zeit der großen Hollywood-Musicals vorbei war, musste sich Regisseur Stanley Donen ("Ein Amerikaner in Paris") nach einem anderen Genre umsehen, in dem er seinen Hang zu irrealer, farbenfroher und temporeicher Inszenierung austoben konnte. Die Hitchcock-Thriller, insbesondere "Der unsichtbare Dritte" waren dafür das ideale Vorbild, und so schuf Donen die beiden Imitate "Charade" und "Arabeske", die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben, wenn sie auch deutlich leichter und verspielter sind als die Werke des Meisters, dem es hinter der schillernden Fassade auch immer um menschliche Abgründe ging.

"Arabeske" erzählt von einem leicht verstaubten Londoner Professor für alte Schriften (Gregory Peck), der auf offener Straße entführt und genötigt wird, eine Botschaft in Hieroglyphen zu entschlüsseln, die für verschiedene Seiten von äußerster Brisanz ist. Zur Seite steht ihm die attraktive Yasmin (Sophia Loren), deren wahre Identität und Absichten sich alle 15 Minuten drehen und bis zum aufregenden Finale im Dunkeln bleiben.

"Arabeske" ist in erster Linie ein Fest für die Sinne. Regisseur Donen verwendet kaum eine Standard-Einstellung sondern sucht immer nach ungewöhnlichen Kamerapositionen, beobachtet das verrückte Geschehen durch Zerrspiegel, Kronleuchter, Aquarien, unter Glastischen hindurch, etc. Die Farben explodieren förmlich. Dieser Stil ist zwar rein oberflächlich (bei Hitchcock hätte es dafür immer einen Grund gegeben, bei Donen ist es die reine Lust am Irrsinn). Schon das Vorspann-Design ist hinreißend, unterstützt von Henry Mancinis großartigem Soundtrack.

Ebenso atemberaubend ist Sophia Loren, die selten schöner war und mit ihrem Partner Peck offensichtlich viel Spaß an ihrer Rolle hat. Allein seine Reaktion auf ihren ersten Auftritt ("Hallo - Hallo, Hallo, Hallooo!") lohnt das Ansehen. Im Grunde ist dies eine frühe James Bond-Geschichte mit Peck als unfreiwilligem 007 und Loren als undurchsichtem Bond-Girl, die atemlos durchs Swinging London gejagt werden. Ein Höhepunkt ist die Sequenz, in der Loren und Peck durch den nächtlichen Zoo fliehen. Wenig später, als Peck - unter Drogen gesetzt - mit einem Fahrrad über die Autobahn torkelt, drehen Regie und Kamera vollkommen durch.

Die Dialoge sind von geschliffenem Witz und böser Ironie. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der Loren und Peck hinter einer Tüte Bonbons herrennen, in der die verschlüsselte Botschaft versteckt ist. Diese Bonbons befinden sich leider in der Hand eines feindlichen Agenten, der sie nach und nach verzehrt, woraufhin Loren meint: "Jetzt isst er sie auf! Wär' der Kerl doch bloß zuckerkrank!"

Fazit: "Arabeske" ist Unterhaltung auf höchstem Niveau mit zwei gut aufgelegten Stars, einer wahnsinnigen Kameraarbeit, hohem Tempo und viel Humor. Einer meiner Lieblingsfilme der 60er - poppig, schrill und leicht durchgeknallt.

10/10

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