Mittwoch, 17. Februar 2010

Angel Heart (1987)

Der Brite Alan Parker erregte mit seiner düsteren Romanverfilmung ANGEL HEART 1987 einiges Aufsehen, und sein durchstilisierter Horror-Thriller ist bis heute kaum gealtert. Die beklemmende Alptraum-Atmosphäre, Parkers bildgewaltige Inszenierung und die fantastischen Darsteller sorgen für ein nach wie vor prickelndes, nervenaufreibendes Filmerlebnis.

New York, 50er Jahre. Der heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) erhält den Auftrag, einen verschwundenen Schnulzensänger zu suchen. Sein Auftraggeber ist der bedrohliche Louis Cypher (Robert De Niro), ein Satan in Menschengestalt. Auf der Suche gerät Angel immer mehr in Lebensgefahr, Zeugen sterben auf grausame Weise, und bald muss er erkennen, dass die Wahrheit noch viel schrecklicher ist, als er vermutet...

Von der frostigen Winter-Atmosphäre New Yorks bis zur Hitze Louisianas fängt Alan Parker die 50er Jahre brillant ein und verbindet den klassischen Film Noir, Mystery und Voodoo-Horror mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humors, welcher sich allerdings erst bei mehrfachem Sehen entfaltet ("Es gibt nicht genug Religion in der Welt, damit alle Menschen sich lieben, aber genug, damit alle Menschen sich hassen."). Parker findet unvergessliche Bilder für den Teufelskreis, in dem sich Harry Angel längst befindet - ein Ventilator, ein Riesenrad oder einen Fahrstuhl, der direkt zur Hölle fährt. Mickey Rourke gehörte seinerzeit zu den vielversprechendsten Entdeckungen Hollywoods, und sein verschwitzter, abgerissener Look passt hier perfekt. Rourke darf eine ganze Palette an Emotionen spielen, von Amüsement bis hin zu nackter Todesangst und völliger Verzweiflung. Schön, dass er jetzt nach vielen Exzessen und Flops wieder zur ersten Garde gehört. Robert De Niro spielt seinen Part so intensiv, dass er förmlich nach Schwefel riecht. Er muss nur ein hartgekochtes Ei pellen und es genüsslich verspeisen ("Wussten Sie, dass in manchen Kulturen das Ei als Symbol für die Seele gilt, Mr. Angel?"), um seine Macht und sein Talent zu demonstrieren. Charlotte Rampling bleibt in einer Nebenrolle als mysteriöse Wahrsagerin ebenso in Erinnerung ("Was ich sehe, würde Ihnen nicht gefallen, Mr. Angel...") wie Lisa Bonet als Lolita und besessene Voodoo-Priesterin.
Eine ausgedehnte Sex-Szene zwischen Rourke und Bonet führte in den USA zu einem Sturm der Entrüstung und dem berüchtigten X-Rating, wobei besagte Szene gleich mehrere Tabus bricht und man keinesfalls das liebe Cosby-Töchterlein in derlei schmutzigen Situationen erleben wollte. Böse Zungen behaupten, nicht das Inzest- oder Gewalt-Thema, sondern der Sex zwischen Schwarz und Weiß sei das eigentlich Anstößige für das amerikanische Publikum gewesen...

"Von Zeit zu Zeit gibt es Filme, die man nicht vergisst", lautete der damalige Werbeslogan im Kino (wo der Film übrigens um ein Vielfaches effektiver wirkt). ANGEL HEART kann ich immer wieder mit Begeisterung sehen und Neues entdecken, er steckt voller faszinierender Details, ist Spannungs- und Schauspielkino vom Feinsten und wird von dem wohl düstersten Soundtrack der 80er begleitet. Der unbekümmerte Zuschauer sollte sich aber auf ein paar herbe Schockeffekte gefasst machen, die man bei einem so hochklassigen Mainstream-Produkt nicht allzu häufig findet.

09/10

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