Montag, 27. Mai 2013

American Werewolf (1981)

An dieser Stelle müsste eigentlich "American Werewolf - revisited" stehen, denn ich habe den Film schon vor einigen Jahren rezensiert. Damals konnte ich mich trotz mehrerer Versuche nie entscheiden, ob ich ihn nun gut oder überbewertet finden sollte. Nach erneuter Sichtung auf einer ausgezeichneten Blu-Ray überwiegt aber doch die Begeisterung.

Der amerikanische Student David (James Naughton) und sein Kumpel  Jack (Griffin Dunne) werden bei einem Ausflug durchs englische Hochmoor von einem Werwolf angefallen. Jack stirbt, aber David wird gerade noch gerettet und erwacht im Londoner Krankenhaus, wo sich die reizende Krankenschwester Alex (Jenny Agutter) um ihn kümmert. Bald schon aber plagen ihn Alpträume. Sein toter Freund Jack erscheint ihm und fordert ihn auf, Selbstmord zu begehen, weil sich David durch den Biss des Werwolfs selbst beim nächsten Vollmond in ein Monster verwandeln wird...

John Landis' Erfolgsfilm AMERICAN WEREWOLF (An American Werewolf in London) und Joe Dantes "Das Tier" (The Howling, 1981) sind die beiden Meilensteine des modernen Werwolf-Films, an denen sich alle anderen messen lassen müssen. Maskenbildner Rick Baker erhielt für die fantastischen Make-Up-Effekte in Landis' Werk (inklusive einer Live-Verwandlungssequenz, die es so zuvor noch nie im Kino gegeben hatte) einen Oscar, und auch wenn das letzte Werwolf-Stadium etwas merkwürdig aussieht (eher wie ein zu dick geratenes Kuschelmonster), können die Tricks heute noch begeistern - auch weil sie so schön handgemacht und nicht am Computer entworfen sind.

Mit der Mischung aus Horror und schwarzhumoriger Komödie beschritt Landis zudem ein Terrain, das bald zum Standard im Horror-Kino der 80er werden sollte. Nicht nur baut er sämtliche Songs, in denen das Wort "Moon" vorkommt, in die Handlung ein, auch die Auftritte des untoten Griffin Dunne als langsam verwesende Leiche sorgen für herzhafte Lacher ("Hast du dich schon mal mit einer Leiche unterhalten? Das ist laangweilig!"). Dazu finden viele ironische kleine Beobachtungen über die Unterschiede zwischen Briten und Amerikanern ins Drehbuch und sorgen dafür, dass AMERICAN WERWOLF nie zur bloßen Monsterschau verkommt.
Neben allem Humor nimmt Regisseur John Landis die Horror-Aspekte seines Films durchaus ernst. In den ersten zwanzig Minuten erschafft er eine sehr bedrohliche Atmosphäre, der erste Werwolf-Angriff ist brutal und schockierend, und auch im späteren Verlauf gelingen Landis mehrere hochspannende Momente, wie etwa die U-Bahn-Sequenz, in der ein britischer Geschäftsmann mit Hut und Regenschirm vom Werwolf durch das Tunnellabyrinth gejagt wird.

Und als Sahnehäubchen kann sogar die zarte Liebesgeschichte zwischen Naughton und der kecken Jenny Agutter (in einer der seltenen, realen Frauenrollen eines Genres, das nicht gerade für glaubwürdige weibliche Charaktere bekannt ist) überzeugen, die für Wärme und Menschlichkeit zwischen den blutigen Horror-Momenten sorgt.
Wenn man etwas kritisieren wollte, dann vielleicht die etwas seltsame Dramaturgie des Films. Nach dem packenden Beginn braucht Landis lange, um zu der berühmten Verwandlung zu kommen und füllt die Zeit mit zahlreichen Alptraum-Sequenzen (inklusive Alpträumen in Alpträumen), welche zwar alle nett sind, aber in der Menge beliebig wirken und den Film eher aufhalten als voranbringen.
Am Ende geht dann wiederum plötzlich alles sehr schnell, nachdem Landis (mal wieder) eine eher überflüssige Autocrash-Nummer am Picadilly Circus über die Bühne gebracht hat. Offenbar inszeniert er ineinander krachende Wagen am allerliebsten, siehe "Blues Brothers" (1980) und "Bloody Marie" (1991). So ist das Finale dann trotz fliegender Köpfe und jeder Menge Action nicht wirklich befriedigend - auch, weil Jenny Agutter nicht genug Raum bekommt und der abrupte Abspann ihr den emotionalsten Moment des Films mehr oder weniger kaputtmacht. Man kann das auch als Ironie verstehen, aber ich hätte mir da ein paar Sekunden mehr gewünscht.

Trotz dieser Mäkeleien, über die man absolut hinwegsehen kann, ist AMERICAN WEREWOLF heute noch extrem sehenswert und unterhaltsam. Tempo und Spannung stimmen, die Darsteller sind ausgezeichnet, die Effekte nach wie vor beeindruckend. Ein moderner Klassiker und mit Abstand Landis' bester Film.1997 entstand mit "American Werewolf in Paris" ein Sequel, das kurz gesagt all das falsch macht, was Landis hier richtig vorexerziert.

09/10

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