Mittwoch, 17. Februar 2010

Alles über meine Mutter (1999)

"Alles über meine Mutter" ist vielleicht der zugänglichste Film von Spaniens Meister-Regisseur Pedro Almodovar, aber das bedeutet ganz und gar nicht, dass er deswegen oberflächlicher wäre.
Eher hat Almodovar nach vielen Experimenten mit Genres, Stilen und Geschichten, in denen er sich als junger Wilder ausgetobt hat, hier zum ersten Mal einen erwachsenen Film geschaffen, der alle seine Obsessionen zum Ausdruck bringt (melodramatische Plots, knallig-bunte Dekors, skurrilen Humor jenseits vom Mainstream-Kino), dessen Charaktere aber echte Identifikationsfiguren sind, deren Schicksale den Zuschauer berühren und nicht mehr loslassen.

Almodovar erzählt in "Alles über meine Mutter" von einer Krankenschwester, deren Sohn vor ihren Augen bei einem Autounfall stirbt, und die sich auf den Weg macht, seinem Vater davon zu berichten, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. - Dieser Kurzinhalt kann allerdings unmöglich die Vielfalt der Erzählungen wiedergeben, die Almodovar hier mühelos anwendet.

"Alles über meine Mutter" ist ein Film, an dem einfach alles stimmt. Kamera, (fantastische) Musik, Ausstattung und ein großartiges Frauen-Ensemble verbinden sich zu einem unvergesslichen Filmerlebnis. Liebe, Krankheit, Tod, Freundschaft, Vertrauen und Schuld sind die Themen des Films, und dennoch ist er niemals deprimierend (schon wegen des bissigen Humors nicht). Dazu gibt es Anspielungen an Filmklassiker wie "Alles über Eva", herrlich knallige Dekors und ein authentisches Bild vom spanischen Leben.

Die Meisterschaft von Almodovar besteht darin, in der melodramatischen Überhöhung und Zuspitzung trotzdem immer den Blick fürs Wesentliche und Auhtentische zu behalten. Seine Filme tragen eine unverwechselbare Handschrift, wie sie in der Filmlandschaft (leider) mittlerweile einzigartig ist.
Männer spielen im Film nur untergeordnete Rollen, insofern könnte man ihn fast als Almodovars Version von Cukors "The Women" bezeichnen, auf den er sich bereits in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" bezogen hat. Die Frauenfiguren in "Alles über meine Mutter" sind zwar jede für sich eine eigene Kreation der Filmkunst, doch bleiben sie immer verzweifelte Menschen, die vom Schicksal gebeutelt werden und trotzdem wieder aufstehen. Das macht letztendlich auch die Zugänglichkeit des Films aus. Er ist optimistisch und hat die Kraft, ohne Kitsch oder verlogene Sentimentalität den Zuschauer zu bestärken.

Filme wie "Alles über meine Mutter" machen das Leben schöner und etwas leichter. Für mich einer der besten Filme aller Zeiten.

10/10

Mutter und Sohn, kurz vor dem tragischen Ereignis

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