Mittwoch, 17. Februar 2010

Affäre zu Dritt (2003)

"Affaire zu Dritt" ist - das sei vorweg gesagt - keine frivole französische Komödie, wie es Cover und Inhaltsangabe vielleicht suggerieren. Außerdem befindet sich der Film irgendwie in der Gay-Ecke, obwohl er dort eigentlich auch nicht hingehört. Zwar ist der junge Hauptdarsteller eine Augenweide und oft unbekleidet, aber in erster Linie ist "Affaire" ein ernstes Psychogramm einer Ehe.

Zum Inhalt: ein etwas gelangweiltes Ehepaar betreibt eine Reinigung und nimmt den jungen Varieté-Künstler Loic bei sich auf. Die Ehefrau beginnt eine Affäre mit ihm, aber auch der Ehemann ist von dem jungen Eindringling fasziniert...

Was diesen kleinen Film so besonders macht, ist das Fehlen jeder geheuchelten Hollywood-Moral und Prüderie. Hier geht es um Menschen und ihre Konflikte, Regisseurin Anne Fontaine richtet nicht und überlässt die Interpretation der Ereignisse dem Zuschauer. Die Dialoge sind realistisch und nicht von Bedeutsamkeit getragen, das Milieu der kleinen Leute ist detailgetreu, aber nicht deprimierend. Humor findet sich kaum im Film, aber er ist dennoch überhaupt nicht schwer, ein Markenzeichen von französischen Filmen (warum nur kriegen wir das nicht hin?). Die Schauspieler, allen voran Miou-Miou als gelangweilte Ehefrau, sind exzellent. Trotz ihrer Liaison mit dem jungen Adonis liebt sie ihren Ehemann aufrichtig, und er ist im Gegenzug weniger über ihre Affaire erbost als über die Tatsache, dass er selber sich von dem jungen Lover angezogen fühlt, was aber lange vom Film hinausgezögert und erst am Schluss aufgelöst wird (insofern ist dies kein Gay-Film).

Vielleicht einziger Schwachpunkt des Films ist die Figur des Loic, der zwar hinreißend aussieht, aber nicht wirklich einen stimmigen Charakter entfaltet. Er ist reine Projektion und Motor für die Ehekonflikte - wer er wirklich ist und warum er sich verhält, wie er sich verhält, bleibt bis zum Ende ein Rätsel. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn die Geschichte der Eheleute ist allemal spannend und interessant.
Fazit: ein kleiner Film mit guten Schauspielern, ein interessantes Dreiecks-Drama, das gar nicht spröde, sondern sehr sexy und lustvoll ist.

08/10

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