Mittwoch, 17. Februar 2010

Absolution (1978)

ABSOLUTION aus dem Jahr 1978 ist ein hierzulande völlig unbekannter kleiner Thriller. Das Drehbuch verfasste der Brite Anthony Schaffer ("Frenzy", "Wicker Man"), der sich in seiner Karriere mehrfach mit der katholischen Kirche, religiösem Wahn und makaberen Psycho-Spielchen befasste. Richard Burton spielt hier den Pfarrer und Lehrer einer einsam gelegenen Klosterschule für Jungen. Ein böser Scherz seines Lieblingsschülers (Dominic Guard) führt zu einer Reihe raffinierter Verwicklungen, die Burton an seinem Verstand zweifeln lassen und ungeahnte dramatische Folgen inklusive Mord und Totschlag nach sich ziehen...

ABSOLUTION erzählt seine verzwickte Story langsam und bedächtig, legt viel Wert auf die Charakterisierungen seiner Figuren und das Beziehungsgeflecht der Protagonisten, nicht auf Action. Der Film lässt sich keinem Genre richtig zuordnen, ist sowohl Thriller als auch psychologisches Kammerspiel, schwarze Komödie und Horrorfilm. Der geringe Bekanntheitsgrad liegt auch an seiner Weigerung, ein bestimmtes Publikum anzusprechen, und die Meinungen über ABSOLUTION dürften weit auseinander gehen. Für Horrorfans ist er vielleicht nicht aufregend spannend genug, Arthaus-Freunde hingegen könnten von einigen blutigen Späßchen verschreckt werden.

Hervorragend gelungen ist die klaustrophobische Atmosphäre der Klosterschule, die sehr authentisch eingefangen wird. Shaffers Dialoge sind intelligent, ohne aufdringlich zu wirken. Die Handlung bleibt unvorhersehbar und baut nach eher schleppendem Beginn stetig Spannung auf. Sexuelle Unterdrückung und Befreiung, das Beichtgeheimnis und die menschliche Natur werden geschickt thematisiert und eingeflochten.

Eher störend hingegen wirkt der (leider wichtige) Handlungsstrang um einen Landstreicher, gespielt von Billy Connolly, der die Jungen zu eigenem Denken verführt und eine Mitschuld am makaberen Treiben der Schüler trägt. Hier formuliert Shaffer seine Kritik an Religion und Kirche sehr deutlich, obwohl sie sich auf subtilere Art im gesamten Filmablauf befindet.

Angeführt wird das hervorragende Ensemble Jungschauspieler von einem grandiosen Richard Burton. In dieser Spätphase seiner Karriere wurde er von der Kritik regelmäßig verrissen (ihm wurden immer wieder hölzernes Spiel und schlechte Rollenauswahl vorgeworfen), sein Alkoholkonsum ist deutlich erkennbar, aber ich persönlich sehe einen versoffenen Burton hundertmal lieber als manch anderen Schauspieler. Seine Präsenz vor der Kamera, die intensiven Blicke, Gesten und markante Stimme, sowie seine Art, die Dialoge oft (im positiven Sinne) theatralisch darzubieten, sind einzigartig und unverwechselbar. So wertet er auch ABSOLUTION deutlich auf.
Letztlich kann der Film vielleicht nicht ganz überzeugen und wartet mit einer Drehung zuviel auf, die Schlusspointe und letzte Wendung hat es allerdings in sich und bleibt nachhaltig in Erinnerung. Ein sehr ungewöhnlicher kleiner Film, sicher nichts für jedermann.

06/10

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