Mittwoch, 17. Februar 2010

5 x 2 (2004)

Francois Ozon hat sich mittlerweile zum wohl interessantesten jungen Regisseur Frankreichs entwickelt, und sein letztes Werk "5x2" ist nach dem knalligen "8 Frauen" und dem raffinierten "Swimming Pool", die beide auch Reflektionen über das Kino selbst waren, sein bisheriger Höhepunkt In "5x2" geht es nicht um Dekor oder Plot, sondern um Menschen, genauer gesagt um ein Paar, dessen Beziehungsscheitern wir rückwärts anhand von 5 ausgewählten Punkten erleben - Scheidung, eine Dinner-Party, Geburt des Kindes, Hochzeit, und schließlich das Kennenlernen.

Der Film besticht durch die leisen Töne, die genauen Beobachtungen - das, was eben nicht gesagt wird. Vieles wird nur ansatzweise erzählt, weil Ozon sich nicht anmaßt, über seine Figuren zu urteilen und einen der beiden verantwortlich zu machen. Beide verhalten sich an einem Punkt der Beziehung komplett irrational (der Vater erscheint nicht zur Geburt des Sohnes, die Braut hat in der Hochzeitsnacht Sex mit einem Fremden), aber es sind gerade diese unerklärlichen emotionalen Momente, die die Unsicherheit und Ängste der Figuren genau auf den Punkt bringen, aus denen sich auch ihre "Fehler" motivieren und die sie so menschlich machen.

Die Sequenz der Dinner-Party hat fast keinen erzählerischen "Sinn", es sind einfach zwei Paare, die dort ihren Abend miteinander verbringen und tanzen. Aber was dort alles zwischen den Figuren vorgeht und eben nicht ausgesprochen wird, ist unglaublich intensiv, kraftvoll und lebendig.

Manche Zuschauer haben sich beschwert, dass Ozon plumpe Mittel benutzt, um den Verlauf der Zeit wiederzugeben (der wachsende Bart des Protagonisten), aber diese Zuschauer haben offenbar verlernt, richtig hinzusehen, denn der Zeitablauf wird durch eine wahre Fülle von Details erzählt. Die Art, wie sich das Paar miteinander, jeder für sich und besonders gegenüber anderen gibt, die Körperlichkeit zwischen ihnen, Blicke und Gesten. Valeria Bruni-Tedeschi (eigentlich ist es ihr Film) sieht tatsächlich zu Beginn des Films 10 Jahre älter aus als später beim ersten Kennenlernen, und das macht sie allein durch ihre Schauspielkunst.
Neben dem Hauptstrang entwirft Ozon gleich noch mehrere Beziehungsmuster nebenbei (die Eltern, den schwulen Bruder) und zeigt kurz, wie dort die Mechanismen des Zusammenlebens funktionieren. Echte Hoffnung hat Ozon für keines der Paare - entweder lernt man, sich miteinander zu arrangieren, oder man gibt auf.

"5x2" ist ein wunderbarer, kleiner, stiller Schauspielerfilm, der von Alltäglichem erzählt, aber das so fesselnd und so spannend, dass ich nicht wegsehen konnte und gern mehr über diese Beziehung erfahren hätte ("5x2 2?").

09/10

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