Mittwoch, 17. Februar 2010

1 Mord für 2 (2007)

1 MORD FÜR 2 aus dem Jahr 2007 ist die zweite Verfilmung des Zwei-Personen-Stücks "Sleuth" von Anthony Shaffer. Die erste Version stammt von 1972 (dt. Titel: "Mord mit kleinen Fehlern"), darin spielten Laurence Olivier und Michael Caine die Hauptrollen, in dieser Neuverfilmung darf Caine nun die Olivier-Rolle übernehmen. Er spielt den erfolgreichen Thriller-Autor Andrew, der den jungen Liebhaber seiner Frau, den Ex-Friseur Milo (Jude Law), in sein Haus einlädt, wo er ein raffiniertes Spiel um Rache und Mord beginnt...

Shaffers Stück wurde von keinem Geringeren als Harold Pinter für den Film adaptiert, dessen Vorliebe für sich wiederholende Dialoge ("Sie sollen die Juwelen stehlen!" - "Ich soll die Juwelen stehlen?" - "Ja, Sie sollen die Juwelen stehlen." - "Warum sollte ich die Juwelen stehlen?") ein wirklicher Genuss ist, wenn man diese Art Bühnensprache mag. So bietet 1 MORD FÜR 2 in erster Linie für Caine und Law die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen - wobei Caines Kunst im Minimalismus besteht (seine Präsenz ist so gewaltig, dass er kaum eine Augenbraue heben muss, um zu beeindrucken), während Jude Law deutlich exaltierter aufspielen muss, um mitzuhalten.
Regie führte Kenneth Branagh, und er verheimlicht die Bühnenwurzeln nicht, sondern macht sie überdeutlich bewusst, indem er seinen Hauptschauplatz nicht verlässt. Caines Haus ist ein Designer-Traum und so erlesen durchgestylt, dass es genügend Raum für ausgefallene Kamerapositionen bietet.

Ebenso wie dem Haus fehlt es aber auch dem Film an Seele. Die Handlungen der Figuren sind weder glaubwürdig noch realistisch, der Reiz des Stücks liegt in den Überraschungsmomenten (es wird z.B. mit einer Verkleidung gearbeitet, die hier leider schrecklich durchschaubar ist), davon gibt es aber nicht genug. Die im Original vorhandenen homoerotischen Implikationen werden jetzt sehr deutlich bespielt, was zu einer interessanten Entwicklung im dritten Akt führt, die aber diffus bleibt (meint Caine seinen Vorschlag, Law solle mit ihm zusammenleben, ernst oder nicht?). Leider endet 1 MORD FÜR 2 dann sehr abrupt und unbefriedigend. Vielleicht war man der Meinung, dass ein modernes Publikum nicht länger als 90 Minuten dem Dialog lediglich zweier Figuren zuhören mag, ich hätte ihn gern noch eine halbe Stunde länger gesehen und dafür einen würdigeren Abschluss bekommen. Absolut brillant aber bleibt die minimalistische Filmmusik von Patrick Doyle.
Als reines Schauspieler-Duell und Kammerspiel mit überhöhten Dialogen funktioniert der Film recht gut, wirklich begeistern konnte er mich aber nicht. Es fehlt das Herz. Und auch ein wenig Humor.

06/10

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